- Kapitel 4 -
Lichtgeschwindigkeit ist absolut
Sie haben jetzt
schon viele wichtige Eigenschaften des Lichtes kennen gelernt, ein Thema habe
ich bis jetzt jedoch ausgespart: Die Lichtgeschwindigkeit. Heute wissen wir,
dass Licht eine Sekunde benötigt um eine Strecke von 300.000 km (genau:
299.729,5 km) zurückzulegen, oder anders ausgedrückt: Licht hat eine
Geschwindigkeit von 300.000 km/s bzw. 1.080.000.000 km/h (das sind über eine
Milliarde Kilometer in der Stunde!). Die Vorstellung, dass Licht eine
Geschwindigkeit hat, erscheint uns heute selbstverständliche, war es zunächst
aber keineswegs. Man ging erst davon aus, dass Licht überhaupt keine Zeit
benötigt um von seinem Ausgangsort zu irgend einem anderen Ort zu kommen. Kaum
wird es ausgesendet so ist es auch schon am Ziel angekommen ohne dafür Zeit zu
benötigen – die Lichtgeschwindigkeit war so zusagen unendlich groß. Erst der
dänische Astronom Olaf Rømer (1644-1710) änderte 1675 diese Vorstellung. Ihm
fiel ein himmlisches Phänomen auf, welches er über eine nicht unendliche
Lichtgeschwindigkeit erklären konnte. Mit Hilfe von Teleskopen war es ihm
möglich zu beobachten, wie einer der Jupitermonde aus dem Schatten des Jupiters
trat. Um so weiter die Erde von dem Jupiter entfernt war, um so länger dauerte
es bis man ihn sehen konnte. Dies ließ sich damit erklären, dass das Licht des
Jupitermondes schlicht und ergreifend länger zur Erde unterwegs war. Heute
wissen wir, dass das Licht von der Sonne zur Erde etwa acht Minuten braucht, vom
Mond zur Erde ca. eine Sekunde. Knipst ein mächtiger Gott das Licht der Sonne
aus, so würde uns das auf der Erde erst acht Minuten später auffallen.
Schauen wir in den Himmel, so blicken wir immer in die Vergangenheit. Um so
weiter eine Lichtquelle entfernt ist, um so weiter können wir in die
Vergangenheit schauen. Ein Beispiel: Das Licht des Sterns Alpha Centauri
benötigt, auf Grund der großen Distanz, vier Jahre bis es auf der Erde
eintrifft. Wir sehen also den Stern, wie er vor vier Jahren ausgesehen hat - ist
er in der Zwischenzeit vielleicht sogar schon explodiert? Um mit den unglaublich
großen Entfernungen im Weltall umgehen zu können hat man neue Maßeinheiten
eingeführt. So ist eine Lichtsekunde die Strecke, die das Licht in einer Sekunde
zurücklegt (300.000 km). Ein Lichtjahr hingegen ist die Strecke, die Licht in
einem Jahr durch das All reist (das sind 300.000 km x 60 Sekunden x 60 Minuten x
24 Stunden x 365 Tagen = 9.460.800.000.000 km, also fast 10 Billionen
Kilometer!). Da das Licht von Alpha Centaurie ca. vier Jahre zu uns unterwegs
ist bedeutet dies eine Entfernung von vier Lichtjahren, also knapp 40 Billionen
Kilometern.
Wenn Flugzeuge vom Winde verweht werden...
Wie im
vorangegangenen Kapitel
bereits beschrieben dachte man noch am Ende des 19. Jahrhunderts, dass
der Weltall von einer „Substanz“ mit dem Namen Äther gefüllt
ist. Diese war u.a. nötig, um als Trägermedium für Lichtwellen zu
dienen. Der Äther stehe still, während alle Planeten durch
diesen Äther wandern. Kann man diesen Äther nachweisen? Die
beiden Physiker Albert Abraham Michelson(1852-1931) und Edward Williams Morley
(1838-1923) hatten sich dazu Gedanken gemacht, die auf folgender Grundvorstellung
fußten.


Man nehme ein Flugzeug
und lasse es zunächst gegen den Wind fliegen, dann soll es wenden und mit
dem Wind zurückfliegen. Die Zeit, welche das Flugzeug für Hin- und
Rückflug benötigt hat hält man fest. Nun lässt man das
Flugzeug die gleiche Entfernung senkrecht zur Windrichtung zurücklegen –
bei gleichem Einsatz der Motoren. Auch hier wird
die Zeit gestoppt. Wenn man nun die beiden gemessenen Zeiten
vergleicht, so wird man feststellen, dass das Flugzeug, welches Senkrecht
zur Windrichtung geflogen ist, für die gleiche Strecke
weniger Zeit benötigt hat als das Flugzeug, welches mit
Front- und Rückenwind geflogen ist.
Dieses Experiment übertrugen die beiden Wissenschaftler Michelson und
Morley 1887 auf den Äther, der Ihnen als „Windquelle“ diente.
Das Interferometerexperiment nach Michelson und Morley
Wie
schon erwähnt stellte man sich den Äther als ruhiges Irgendwas vor
(man verzeihe mir diese Ausdruckweise), was selber keinerlei Bewegung vollzog.
Nun ist aber bekannt, dass die Erde in Bewegung ist: sie umkreist innerhalb
eines Jahres die Sonne und somit legt sie eine Strecke zurück. Nun
stellen Sie sich vor, sie laufen an einem windigen Tag sportlich durch den
Wald und halten an. Es ist klar, dass Sie den Wind auf ihrer Haut spüren. Nun
stellen Sie sich die gleiche Situation an einem völlig windstillen Tag
vor. Halten Sie an, so können Sie natürlich keinerlei Luft auf
Ihrer Haut spüren, beginnen Sie jedoch wieder zu laufen, so verspüren
Sie sehr wohl eine kühlende Wirkung auf Ihrer Haut. Es ist so, als ob
es windig wäre, dabei bewegen Sie sich und nicht die Luft, das Ergebnis
ist jedoch das gleiche.

Ähnlich
dachte man beim Ätherwind: Der Äther an sich steht still,
aber die Erde bewegt sich in ihm, so dass es in Bewegungsrichtung der
Erde eine Art Wind geben müsste und quer zur Bewegungsrichtung natürlich
kaum Wind zu verzeichnen sein dürfte.
Michelson und
Morley nahmen jetzt jedoch keine Flugzeuge um diesen Wind nachzuweisen, sondern Licht.
Wenn Licht in Bewegungsrichtung der Erde fliegt und dann zurück, dann wäre
es so als würde ein Flugzeug mit Rückenwind und Frontwind fliegen.
Ein zweites Lichtteilchen, welches Senkrecht zum ersten fliegt, bräuchte
dem zufolge weniger Zeit, ähnlich wie bei demFlugzeug.
Die beiden
Wissenschaftler machten nun folgendes Experiment: Sie nahmen ein Platte und
installierten darauf ein Gerät, welches in der Lage war,einzelne Lichtteilchen
(ja, sie haben schon richtig gelesen: es gibt nicht nur Lichtwellen, sondern
auch Lichtteilchen, aber dazu später mehr) zu emittieren. Eines ließen sie mit
dem Ätherwind fliegen und eines senkrecht dazu.Über Spiegel wurden die
Lichtteilchen reflektiert, so dass sie die Strecke
einmal hin und zurück flogen. Zum Schluss wurden beide in
einen Detektor (Teleskop) geleitet. Was hoffte man in diesem Teleskopzu sehen?
Wenn wirklich eines der beiden Lichtteilchen schneller gewesen wäre als das
andere, so hätten beiden Teilchen auch leicht zeitversetzt an
dem Teleskop ankommen müssen. Dies hätte aber auch bedeutet,
dass Wellenberg und Wellental leicht versetzt angekommen wären und
Sie wissen ja bereits was das bedeutet: Wellenberge und Täler
verstärken sich oder löschen sich aus. Man hätte also ein Hell-Dunkel-Muster
angezeigt bekommen, ähnlich wie ich es im vorhergehenden
Kapitel bereits erklärt habe. Doch es zeigte sich
nicht! Man wiederholte den Versuchsaufbau sogar noch einmal auf
einer Art Quecksilbersee um jegliche Außenbeeinflussung auszuschließen, aber das
Experiment schlug abermals fehl. George Francis Fitzgerald (1851-1901)
schlug daher vor, dass der Ätherwind schlicht und
ergreifend so stark ist, dass er die Länge
in Bewegungsrichtung des Windes zusammenstaucht. Dadurch müsste das Lichtteilchen
eine geringere Strecke zurücklegen und
wäre dadurch gleichzeitig mit dem anderen Lichtteilchen am
Ziel. Später sollte ein niederländischer Physiker die hierzu passenden und nach
ihm benannten Lorentz-Transformationen aufstellen, welche ich im
nächsten Abschnitt genauer untersuchen möchte. Spätere
Überlegungen des Physikers Albert Einstein ließen ihn jedoch
zu der Schlussfolgerung kommen, dass der Äther
als nicht Existent abgeschrieben werden muss. Prinzipiell
sollte der Äther ein Medium sein,
in welchem sich Licht ausbreiten konnte. Sie haben jedoch
bereits erfahren, dass dieses Trägermedium nicht mehr benötigt
wurde, als die Theorie der elektromagnetischenWelle aufgestellt worden war.
Einen direkten Einfluss des Äthers auf Materie konnte
nicht nachgewiesen werden (die Kontraktion der Länge
war ja nicht direkt messbar, sondern nur eine
mögliche Erklärung für die kürze Laufzeit des Lichts!), ebenso
wenig ein Einfluss auf Lichtteilchen. Albert Einstein
sagte daher, dass der Äther keinerlei Existenzberechtigung mehr
habe. Für das Phänomen der gleichen Laufzeitder
Lichtteilchen hatte er bereits eine andere Erklärung in der
Schublade...
Raum und Zeit sind nicht absolut – Die Lorentz-Transformationen
Es verwunderte
sehr, dass Licht, egal wie es fliegt, immer gleiche Zeit benötigt. Der
niederländische Physiker Hendrik Antoon Lorentz (1853-1928) und der
schon erwähnte George Francis Fitzgerald kamen auf die Idee, dass sich die Strecke
in Bewegungsrichtung verkürzt. So wäre zu erklären gewesen,
warum die eigentlich langsameren Lichtteilchen, welche dem Ätherwind
ausgesetzt waren genauso schnell sind, wie die schnelleren Teilchen
senkrecht zum Ätherwind. Erstere hatten einfach eine
kürzere Strecke zurückzulegen. Dies klingt nicht nur für
unsere Ohren eigentümlich, sondern auch für die
Ohren der damaligen Forscher. Aber es sollte die
Grundlage für Einsteins Relativitätstheorie bilden. Lorentz ging noch viel weiter:
Es erfolgt nicht nur eine Streckenverkürzung, sondern
auch eine Verlangsamung der Zeit! Wenn Sie
selber mal ausrechnen möchten, um wie viel langsamer Sie altern,
wenn Sie über eine Straße fahren, dann können Sie
folgende Formeln anwenden:
Ein Beispiel soll die Anwendung der Formeln verdeutlichen: Sie fahren mit
100 km/h über die Bundesstraße. Dies entspricht einer Geschwindigkeit
in Kilometern je Sekunde von:

.
Während für einen Beobachter, welcher am Straßenrand steht
1 Stunde (=60 Minuten = 3600 Sekunden) vergeht, ist für Sie gerade mal
eine Zeit von
vergangen. Die Zeit vergeht für Sie also um 0.0000000000146 Sekunden
langsamer. Sie sehen: Ein Quell ewiger Jugend ist die Relativitätstheorie
nicht gerade.
Eine weitere Tatsache resultiert aus den Lorentztransformationen: Das Verkürzen
einer Strecke, das Langsamergehen der Zeit, die Zunahme der Masse, all dies
gilt nur in Bewegungsrichtung des Objektes, soll heißen: Objekte, die
sich rechts oder links von der bewegten Materie befinden sind von der Transformation
nicht betroffen!
Aus diesen Erkenntnissen resultiert Einsteins Relativitätstheorie, welche
im nächsten Kapitel genauer erläutert werden soll. Grundlage bildet
auch hier die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
Applet zur Veranschaulichung der Längenveränderung bei hohen Geschwindigkeiten
Zusammenfassung
Lichtgeschwindigkeit ist nicht unendlich, jedoch sehr groß: ca. 300.000
km/s. Die Strecke, welche Licht in einem Jahr zurücklegt wird Lichtjahr
genannt. Um den Äther nachzuweisen, führten Michelson und Morley
das nach ihnen benannte Interferometerexperiment durch. Dies baut auf der
Tatsache auf, dass Teilchen, welche mit Front- und Rückenwind zu kämpfen
haben für die gleiche Strecke länger brauchen, als wenn sie nur
mit Seitenwind zurechtkommen müssen. Als das erwartete Interferenzmuster
nicht erschien, begannen Hendrik Antoon Lorentz und George Francis Fitzgerald
darüber nachzudenken, ob die Strecke in Windrichtung nicht einfach verkürzt
wird, so dass ein gleichzeitiges Eintreffen der Teilchen wieder zu erklären
wäre. Das Ergebnis dieser Überlegungen waren die Lorentztransformationen.